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TUM School of Natural Sciences
Vorlesungsbetrieb Experimentalphysik

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Interferenz von Kreiswellen mehrerer punktförmiger Erreger – Das Huygenssche Prinzip

Kurzbeschreibung

Zur Funktionsweise der Wellenwanne siehe Versuch1661

Als Huygenssches Prinzip (nach Christiaan Huygens, 1629-1695) bezeichnet man die Interpretation jedes Punktes einer Wellenfront als Ursprung einer Elementarwelle, aus deren Superposition sich Aussehen und Lage der neuen Wellenfront als deren Einhüllende ergibt; mit diesem Prinzip können Reflexion, Beugung und Brechung erklärt werden.
In den folgenden Versuchen werden die Interferenzmuster unterschiedlich vieler punktförmiger Erreger betrachtet um die Gesetzmäßigkeiten nachzuvollziehen, denen diese Interferenz folgt; dabei werden die Vorgänge exemplarisch erläutert am Beispiel der drei Hauptwellenbänder nullter und erster Ordnung.

Skizze der Versuchsanordnung (Aufsicht)

Grafik 1666a

 

Versuchsdurchführung / Beobachtung

Am Wellenerreger wird ein Kamm installiert auf den mehrere Tupfer äquidistant aufgesetzt werden; es werden Frequenz und Amplitude so eingestellt dass sich ein deutliches Muster abzeichnet. Rekapituliert man selbigen Versuch mit zwei Erregern („Interferenz von Kreiswellen zweier punktförmiger Erreger“) so erinnert man sich an nach außen wandernde Hauptwellenbänder mit deutlicher Ausprägung von sich abwechselnden Minima und Maxima; diese Wellenbänder waren jeweils durch eine einheitlich graue Hyperbel - die Orte destruktiver Interferenz – voneinander getrennt:

Grafik 1666b

 

Betrachtet man nun die Überlagerung der Kreiswellen dreier Erreger so erkennt man, dass die drei Hauptwellenbänder, die bereits bei der Interferenz zweier Erreger aufgetreten sind, hier schmaler auftreten und durch jeweils ein weiteres Wellenband dazwischen ergänzt werden; es ergibt sich also ein Bild von fünf hyperbolisch nach außen wandernden Wellenbändern mit deutlich ausgeprägter Wellenstruktur, jeweils getrennt durch eine einheitlich graue Hyperbel:

Grafik 1666c

 

Dies lässt sich sukzessive weiterführen: mit einem weiteren Erreger entstehen jeweils zwei zusätzliche Streifen zwischen den Hauptwellenbändern – man erkennt bei vier Erregern also sieben Bänder mit ausgeprägter Wellenstruktur:

Grafik 1666d

 

Mit jedem zusätzlichen Erregern erhöht sich die Zahl der zusätzlich auftretenden Wellenbänder weiter, die Bänder und die sie trennenden einheitlich grauen Hyperbeln werden jedoch ebenfalls mit zunehmender Erregerzahl schmäler, was dazu führt, dass bei einer Vielzahl von Erregern – in der folgenden Abbildung angedeutet durch eine Superposition von zehn Elementarwellen – das Interferenzmuster insbesondere in der Nähe der Erreger immer mehr einer ebenen Welle gleicht:

Grafik 1666e

Interferenz von zehn Elementarwellen; in der Nähe der Erreger bildet sich eine annähernd ebene Welle

Erklärung

Zunächst soll die Entstehung der drei Hauptwellenbänder dargelegt werden: Zur Erklärung der Entstehung dieser charakteristischen Wellenbänder ist es zweckmäßig, Orte zu betrachten, deren Abstand zu den Erregern groß ist gegenüber dem Abstand der Erreger zueinander; die folgende Graphik erklärt dann das Superpositionsschema zweier Kreiswellen an diesem Ort:

Grafik 1666g

Für den Gangunterschied zwischen zwei sich überlagernden Elementarwellen an einem bestimmten Ort gilt:
Δl = d sinα
Außerdem unterliegen die Orte konstruktiver Interferenz folgendem Zusammenhang (vgl. „Interferenz von Kreiswellen“):
Δl = mλ       (m=0,±1,±2,…. Interferenzordnung)
Bei den drei Wellenbändern, die bei der Interferenz zweier Kreiswellen entstehen, handelt es sich um die nullte und die erste Interferenzordnung: das mittige Hauptwellenband entspricht der nullten Interferenzordnung, bei dem die sich überlagernden Wellen auch keinen Gangunterscheid aufweisen. Die beiden anderen Hauptwellenbänder, zu jeder Seite eines, bilden die Maxima erster Ordnung, für die also gelten muss: Δl = λ
Daraus ergibt sich für den Winkel zwischen dem Wellenband nullter und dem erster Ordnung der konstruktiven Interferenz ein Winkel von sinα = λ/2
und der Winkel zwischen dem Hauptwellenband nullter Ordnung und der ersten Ordnung destruktiver Interferenz, also dem ersten Nebenminimum, ergibt sich aus einem Gangunterschied von
Δl = λ/2 zu sinα = 1/2 · λ/d
Erweitert man die gesamte Anordnung nun um einen weiteren Erreger, so ist klar, dass sich drei Sinuswellen, die an einem bestimmten Ort überlagern, nicht bei einem Gangunterschied von Δl = λ/2 völlig auslöschen, sondern bei Gangunterschieden von jeweils Δl = λ/3 zueinander. Daraus ergeben sich dann bei Gangunterschieden von d sinα = 1/3 λ       und       d sinα = 2/3 λ
zwei Nebenminima, die - anschaulich gesprochen – das zwischen den Hauptwellenbändern neu entstandene Maximum einschließen.
Bei vier Erregern, und somit der Überlagerung von vier Elementarwellen, existieren also jeweils drei Nebenminima, die zwei weitere Wellenbänder zwischen den Hauptwellenbändern entstehen lassen. Setzt man diese Überlegung sukzessive fort, so lässt sich daraus leicht der Grenzfall ableiten, dass die Überlagerung unendlich vieler Elementarwellen auch unendlich viele Nebenminima erzeugt, was ebenso die Entstehung unendlich vieler charakteristisch strukturierter Wellenbänder impliziert, was anschaulich nichts anderes bedeutet als die Entstehung einer ebenen Welle.

Grafik 1666h

 

Mit diesen Voraussetzungen lassen sich ebenfalls Reflexion und Brechung durch das Huygenssche Prinzip erklären:
Die Barriere, an der die einfallende ebene Welle reflektiert oder gebrochen wird, muss hier aufgefasst werden als die Zusammensetzung unendlich vieler punktförmiger Tupfer, von denen von jedem beim Auftreffen der Welle eine Elementarwelle ausgeht, die sich dann zu einer resultierenden ebenen Welle überlagern. Die dabei auftretenden Winkel ergeben sich aus dem zeitlich verschobenen Auftreffen der einfallenden Welle auf das reflektierende/brechende Objekt, und im Falle der Brechung ebenfalls durch die unterschiedlichen Brechungsindizes (siehe „Brechung von Wasserwellen“).

Reflexion nach dem Huygensschen Prinzip

Grafik 1666i

Trifft eine Wellenfront auf eine refelektierende Welle so entsteht an der Auftreffstelle eine Elementarwelle

Grafik 1666j

Eine Momentaufnahme später entsteht eine weitere Elementarwelle; die erste Elementarwelle hat sich bereits ausgebreitet

Grafik 1666k

Die Überlagerung der unendlich vielen beim Auftreffen der Wellenfront entstehenden Elementarwellen überlagern sich zu einer Neuen

Brechung nach dem Huygensschen Prinzip

Grafik 1666l

Folgender Link verweist auf eine Animation zur Veranschaulichung der Vorgänge bei Reflexion und Brechung von Wellen: http://www.walter-fendt.de/ph11d/huygens.htm

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